Decoder Programmierung für Fortgeschrittene: Motor Finetuning ESU LokPilot/LokSound Decoder

In diesem Beitrag möchten wir Ihnen die Möglichkeiten des Motor Finetunings näher bringen. Moderne Digitaldecoder verfügen dafür über zahlreiche CVs mit denen vor allem das Langsamfahrverhalten eingestellt werden kann. Da die verschiedenen CVs zusammenspielen, muss man hier etwas Geduld mitbringen und experimentieren. Mittlerweile gibt es auch die Möglichkeit, dass die Decoder diese Einstellungen selbstständig vornehmen und dazu eine Testfahrt durchführen. Wie das ganze funktioniert und welche Einstellungen man noch manuell vornehmen kann, erklären wir Ihnen in diesem Beitrag.
Die genannten CVs und Funktionen beziehen sich auf die Digitaldecoder von ESU. Bei anderen Decoderherstellern können diese Funktionen in anderen CVs hinterlegt sein. Bitte beachten Sie deshalb unbedingt die Angaben im Handbuch Ihres Decoders.

Im Gegensatz zur analogen Modellbahn, regelt bei der digitalen Modellbahn nicht die angelegte Spannung, sondern der Decoder den Motor. Generell verbessern sich die Fahreigenschaften einer Lokomotive, wenn die Lok digital statt analog gefahren wird. Die feine Ansteuerung der Decoder ermöglicht insbesondere ein ruhigeres Fahrverhalten in niedrigen Fahrstufen. Außerdem können realistische Minimal- und Maximalgeschwindigkeiten, sowie betriebsnahe Beschleunigungs- und Bremsverzögerungen eingestellt werden.

Generell wird das Fahrverhalten einer digitalen Lokomotive mit ESU Decoder von den folgenden CVs beeinflusst. Die CVs 51+52 beeinflussen das Fahrverhalten in den unteren Fahrstufen, CV 54+55 entsprechend die mittleren und oberen Fahrstufen.

CV Name Beschreibung Bereich Wert ab Werk Kommentar
51 Lastregelung „I“ Slow „I”-Anteil des Internen PI-Reglers für die Langsamfahrt. 0-255 0 Beeinflusst das Ruckeln in Fahrstufe 1 (zusammen mit CV 52)
52 Lastregelung „K“ Slow Bestimmt die Härte der Regelung in niedrigen Fahrstufen (je größer der eingestellte Wert desto stärker wird der Motor durch den Decoder geregelt) 0-255 15 Beeinflusst das Ruckeln in Fahrstufe 1
53 Regelungsreferenz Bestimmt die Spannung und damit wie schnell die Lokomotive bei Höchstgeschwindigkeit fahren kann 0-255 140 Sollte geändert werden, wenn die Lok bereits Maximal-geschwindig-keit erreicht hat obwohl der Regler noch nicht ganz aufgedreht ist
54 Lastregelung „K“ Bestimmt die Härte der Regelung in hohen Fahrstufen (je größer der eingestellte Wert desto stärker wird der Motor durch den Decoder geregelt) 0-255 50 Beeinflusst das Ruckeln in unteren und mittleren Fahrstufen
55 Lastregelung „I“ Bestimmt die Trägheit des Motors (je großer die Schwungmasse desto kleiner der Wert) 0-255 100 Schafft Abhilfe, wenn die Lok einen unkontrolliert-en Sprung/ Satz macht

Quelle: ESU LokPilot V.4 Handbuch S. 71 f.

Wenn Sie die oben genannten Werte nicht selbst einstellen möchten, dann können Sie die Werte auch selbstständig durch den Decoder bestimmen lassen. Je nach Motor und Lokmodell funktioniert das automatische Einmessen des Motors unterschiedlich gut. Die Werte können dann entweder beibehalten werden oder man nutzt die Werte als Ausgangswerte für die weitere manuelle Optimierung.

Bevor man die Lokomotive automatisch einmessen lassen kann, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Nutzen Sie für den Einmessvorgang ein separates Gleis außerhalb Ihrer Anlage
  • Sie können immer nur eine Lokomotive einmessen lassen
  • Das Gleis muss waagerecht verlegt sein, also keine Steigungs- oder Gefällestrecken
  • Die Einmessstrecke darf keine Kurven und Weichen enthalten
  • Die Einmessstrecke sollte 2 Meter lang sein
  • Sorgen Sie an den Enden der Einmessstrecke für Prellböcke oder ähnliche Sicherheitsvorkehrungen, damit Ihre Lokomotive nicht unkontrolliert davonrasen und entgleisen kann

Wenn Sie eine Teststrecke entsprechend der genannten Bedingungen eingerichtet haben, können Sie mit dem Einmessen beginnen.

  1. Stellen Sie dafür zunächst die Lokomotive an das Ende der Teststrecke. Die Fahrtrichtung der Lok muss auf den freien Schienenteil einstellt werden.
  2. Stellen Sie sicher, dass die Funktionstaste „1“ deaktiviert ist
  3. Wechseln Sie in den Programmiermodus Ihrer Digitalzentrale und setzten Sie das CV 54 auf den Wert „0“
  4. Wechseln Sie wieder in den Fahrmodus und betätigen Sie die Funktionstaste „1“
  5. Die Lokomotive fährt nun ca. 2 Sekunden in maximaler Geschwindigkeit, um die Messfahrt auszuführen. Während dieser Fahrt kann die Lok nicht angesteuert werden. Sorgen Sie deshalb für ausreichend freie Strecke und Fallschutz an den Gleisenden
  6. Nach der Messfahrt hält die Lok selbstständig an und Sie können das Ergebnis der Messfahrt testen

Sollte Ihnen das Fahrverhalten Ihrer Lokomotive noch nicht gefallen, dann können Sie sich an der Tabelle in diesem Beitrag orientieren um weiteres Finetuning vorzunehmen. Andernfalls können Sie den Decoder auch auf Werkseinstellungen zurücksetzen indem Sie den Wert „8“ in CV „8“ programmieren.

Im Decoder Handbuch von ESU ist zudem eine Tabelle mit CV Werten für häufig verbaute Motoren hinterlegt.

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