Kleine Modellbahnanlagen – der neue Trend?

Kleine Modellbahnanlagen gewinnen nicht nur auf Ausstellungen und Messen zunehmend an Beliebtheit.

Die großen Modellbahnanlagen

Die meisten Modellbahner fühlen sich scheinbar am meisten von großen Anlagen angezogen, auf denen richtig lange Züge fahren können. Manche wollen dabei am liebsten so viele Züge wie möglich fahren sehen. Besonders Güterzüge brauchen Platz und können nur schwer auf einer Anlage von 3 Metern untergebracht werden. Dasselbe gilt für einen Intercity. Vor allem wenn es sich um Hochgeschwindigkeitsmodelle handelt, kommt man mit ein paar Metern Anlage nicht hin.

Viele Modellbahner werden von derart langen Zügen wie magisch angezogen – sind Zuhause die Kapazitäten die das Aufbauen einer solchen Anlage mit sich bringt und der Umfang des benötigten Materials für viele doch eher nicht gegeben. Sie verfügen einfach nicht über den nötigen Platz, den man für derartige Anlagen braucht – geschweige denn dass noch Platz ist, die ganze Sammlung unter zu bringen.
Das hat oftmals zur Folge, dass die Anlage mit Gleisen überladen ist, was das Gestalten einer realistischen Landschaft schwierig bis unmöglich macht. Und wenn man sich dann schon in der glücklichen Situation befindet ein großes Haus zu haben und den gesamten Dachboden einnehmen kann oder darf, dann kostet der komplette Ausbau einer solch großen Anlage nicht nur ordentlich Geld sondern auch noch viel Zeit.

Gemeinsam Großes schaffen

Manchmal baut jemand mit viel Platz, zusammen mit ein paar Freunden eine Anlage. Hier kommen alle regelmäßig zusammen um zu bauen und später auch zu fahren. So entstehen kleine Grüppchen von Modellbahnern, die alle dieselbe große Anlage benutzen.

Weitaus mehr verbreitet ist dahingegen der Modellbahnverein. Hier sind die Gruppen oftmals größer und die Geschmäcker sehr verschieden. Innerhalb eines Vereins ist es jedoch einfacher den Bau einer großen Anlage zu realisieren. Aus praktischen Gründen setzt sich diese oft aus mehreren einzelnen Modulen zusammen.

Auf diese Weise lässt sich die Anlage gut transportieren und auf Ausstellungen mitnehmen. Wenn man dann noch über ausreichend Menschen mit Ahnung und die nötigen Transportmittel verfügt, ist eine solche Anlage zügig aufgebaut. So kommt es auch, dass Vereine auf Messen oder Ausstellungen gern gesehene Gäste und aktive Teilnehmer sind. Für manche Gruppen ist so ein Event sogar die einzige Gelegenheit ihre übergroße Anlage aufzubauen und mal über die volle Länge zu befahren.

Kleine Anlagen scheinen ein neuer Trend zu sein

Neben diesen großen Anlagen sieht man stets öfter eine individuelle Entwicklung von Modellbahnern oder kleineren Gruppen, die mit einem kleineren Beitrag an Modellbahnveranstaltungen teilnehmen. Sie haben sich bewusst dafür entschieden, die Ausmaße ihrer Bauwerke zu begrenzen. Die Gründe dafür sind verschieden. So ist für den Transport einer kleineren Anlage mit allem was dazu gehört, wie Beleuchtung und Verkleidung, nicht gleich ein Transporter oder ein riesiger Anhänger nötig. Ein kleiner Anhänger oder sogar ein normaler PKW reichen bereits völlig aus. So auch der Aufbau! Kostet dieser bei einer großen Anlage viel Zeit und jede Menge Manneskraft, ist eine kleine Anlage wesentlich schneller einsatzbereit an Ort und Stelle. Der größte Vorteil sitzt jedoch im Äußerlichen und ist der Hauptgrund, warum die kleinen Bahnen immer mehr Wertschätzung erfahren:

Die Detaillierung

Nichts gegen größere Anlagen, aber bis auf ein paar Ausnahmen ist deutlich erkennbar, dass die kleinen Anlagen viel vollendeter scheinen. Das ist auch nicht so abwegig! Es kostet letztendlich weniger Zeit eine Fläche von 1 bis 2m² auszugestalten, als eine Anlage mit einer wesentlich größeren Fläche. Für den Gestalter funktioniert das auch prima – er erreicht sein Ziel innerhalb einer akzeptablen Zeitspanne und kann damit auch noch herumreisen. Undenkbar mit einer Anlage wovon gerade mal 2 der 5 Module fertig gestellt sind. Das soll nicht heißen, dass 1m² schnell fertig ist. Oftmals sieht man gerade bei diesen Kleinstanlagen, dass so viel für die Detaillierung getan wurde, dass der Bau sicher genauso lang gedauert haben muss, wie der von einer 15m langen Modulanlage.

Aber mindestens genauso lang – wenn nicht sogar noch länger kann man dann auch an dieser 1m² Anlage stehen und schauen und staunen. Ganz einfach, weil es auf diesem Quadratmeter so viel zu sehen gibt. Ohne großes Spektakel oder Überladung mit Details und Szenerien. Natürlich sieht man auf einer solchen Anlage mehr passieren, als es in Wirklichkeit der Fall wäre. Das ist normal für eine Modellbahnanlage und kommt auch auf großen Anlagen vor. Eine Modellbahnanlage zeigt eine Ansammlung von Geschehnissen, die sich dort sonst über einen längeren Zeitraum abspielen würden. Sie alle werden in dem ein und demselben Moment wiedergegeben und die Kunst besteht darin, die Szenen so zu setzen, dass sie nicht aufdringlich wirken. Nicht mit allerlei Geblinke, Geflacker oder mit Pauken und Trompeten, sondern die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich ziehen, durch die Ruhe, die sie ausstrahlen. Gerade durch diese Ruhe und die durchdachte detaillierte Gestaltung sieht der Betrachter nur eine Szene gleichzeitig, wodurch eine Art Zeitraffer entsteht. Wenn die Szenen dann auch noch ein bisschen versteckt liegen und sich nicht direkt im Blickfeld befinden, entsteht ein lebendiges Diorama durch das der Betrachter geführt wird und das erst von mehreren Standpunkten vollständig zu sehen ist.

Die Szenerie

Auffallend bei kleinen Anlagen, die für die Gestaltung einer solchen sprechen, ist die Atmosphäre die wiedergegeben wird. Dabei spielen Hintergrund und die richtige Beleuchtung sicher eine Rolle. Das wichtigste aber ist die Landschaft. Durch die geringe Fläche ist es möglich einen Wald tatsächlich wie einen Wald aussehen zu lassen, weil in diesem nun mal viele Bäume nah aneinander stehen. Eine große Verschiedenheit an Material zur Bepflockung und für Bodendecker, sorgt für die Variation, die man auch in der Natur findet.
Durch die geringe Tiefe müssen ein paar optische Tricks angewandt werden, um ein Gefühl von Raum zu vermitteln. Der Tiefeneffekt wird verstärkt, wenn man kleinere Gebäude in den Hintergrund einfügt.

Das Kleine als Teil des großen Ganzen

Obwohl man auf Ausstellungen noch immer vielen großen Modellbahnanlagen begegnet, ist doch ein Umschwung zu sehen. Schon längst muss ein großes und qualitativ hochwertiges Modellbahnevent nicht mehr nur noch von großen Anlagen getragen werden. Die kleinen Anlagen gewinnen an Bedeutung und sind für Besucher und Betrachter relevant und faszinierend.

Von groß zu klein

Wie kann es dann sein, dass es noch so viele Menschen gibt, die nichts von derart kleinen Anlagen halten? Natürlich sind die persönlichen Vorlieben verschieden und es ist auch nicht so, dass man entweder nur groß oder nur klein mag. Bevor man etwas Kleines baut, muss erstmal ein Schalter umgelegt werden: weg von der Idee, lange Züge fahren zu lassen. Es ist auch ein bisschen wie zurück zu den Grundlagen, zurück zum Anfang mit der kleinen Lok und ein paar 2-achsigen Wagen. Darin muss man die Schönheit erstmal sehen können. Es gibt gutes und umfangreiches Angebot von kurzem Rollmaterial. Oft sind es Loks und Wagen die auf Nebenlinien, in der Industrie oder von kleinen Privat-Unternehmen nur auf kurzer Strecke eingesetzt werden. Unter diesem Material lassen sich wahre Perlen finden, die sich gut auf einer kleinen Modellbahnanlage machen. Gerade dieses gemütliche und kleinspurige trägt zur Stimmung und Identität der Anlage bei.

Und doch ist es nichts was man als erstes tun wird, wenn man mit Modellbahn beginnt. Die meisten, jungen Einsteiger träumen von den großen Anlagen, wie sie von namenhaften Herstellern auf Messen oder in Katalogen zu sehen sind. Aber es gibt auch immer noch jüngere Modellbahner die auf kleiner Fläche schnell zu einem ansprechenden Ergebnis kommen.

Die praktischen Seiten einer kleinen Modellbahnanlage

Eine kleine Modellbahnanlage hat sicher ihre Vorteile. Es dürfte klar sein, dass die Kosten für eine kleine Anlage auch geringer ausfallen. Das gilt ebenso für den Bau der Konstruktion. Die Anzahl Gleise und Weichen werden automatisch begrenzt, obwohl es durchaus Anlagen mit einer ordentlicher Gleisdichte gibt! Dies sind dann vor allem Rangierstrecken. Sie sorgen auch dafür, dass der Fahrspaß nicht zu kurz kommt – im Gegenteil! Auf kleiner Fläche sind mit einem guten Gleisplan ganz schön viele Rangierbewegungen möglich. Die Anlagen mit weniger Gleisen pro Quadratmeter sind oftmals lebende Dioramen, durch die dann und wann auch ein Zug fährt. Es kann sein, dass der Gleisplan in der Essenz nicht mehr ist als ein klug platziertes Oval, auf dem ein oder zwei Züge ihre Runden fahren. Ein schöner Nebeneffekt hierbei ist, dass das Budget für rollendes Material auch erheblich kleiner sein kann. Und es spricht für sich, dass für den Transport und den Aufbau einer kleinen Anlage nicht ganz so viele Menschen und Mittel benötigt werden – und das kann auf Ausstellungen sehr praktisch sein!

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