Anlagenvorstellung: H0 Anlage in L Form Epoche V/VI

Einfahrt einer Baureihe 151 mit einem gemischten Güterzug in den Bahnhof. Auf der linken Seite ist das Übungsgelände des THW zu sehen. Eine wundervoll ausgestaltete Szene.

In diesem Beitrag möchten wir Ihnen eine weitere Modelleisenbahn eines Kunden vorstellen. Dieses Mal ist es eine Modelleisenbahn im Maßstab 1:87 H0. Die liebevoll ausgestaltete Anlage bietet abwechslungsreichen Fahrbetrieb und ist in der Epoche V/VI angesiedelt. Besonderheit ist der Wechsel des Stromsystems von Wechsel- auf Gleichstrom während der Bauzeit. Doch der Reihe nach…

MSL: Wie sind Sie zum Hobby Modelleisenbahn gekommen?

Kunde: Wie viele andere Modellbahner kam ich mit einem Startset als Weihnachtsgeschenk mit der Modellbahn in Berührung. Es war eine Märklin Startpackung mit M-Gleisen, einer Schweizer Ee 3/3 und ein paar Wagen. Es folgte ein Jahr später eine Märklin Digital Premium-Startpackung mit einer V160 in Altrot und einer Dampflokomotive der Baureihe 03 sowie einem C-Gleis Oval mit Überholgleis. Durch großes Engagement meines Vaters, der mit dem Hobby selbst keine Berührungspunkte hat, wurden die Gleise anschließend vom Boden auf die Platte verlegt und die erste Anlage in Ovalform entstand. In den darauf folgenden Jahren übernahm ich dann die Zügel beim Anlagenbau und mit steigenden Ansprüchen an den Anlagenbau wurden Trassenbau und Elektronik verhältnismäßig komplexer. Die hier vorgestellte Anlage wurde nicht auf der Platte, sondern in Rahmenbauweise gebaut, Baubeginn war 2010. Mit dem Bau dieser Anlage wurden von mir nicht nur die ersten Schritte in Sachen Landschaftsbau getätigt, sondern auch die Fähigkeiten der Digitaltechnik in viel größerem Umfang genutzt. Im Jahr 2017 erfolgte dann im selben Anlagenprojekt der Umstieg von Dreileiter auf Zweileiter und somit der Umstieg von C-Gleis auf Gleise ohne Böschung. Im Zuge des Umstiegs musste nicht nur ein Teil des Fuhrparks veräußert werden, sondern auch alle -teils in die Landschaft integrierte- C-Gleise von der Anlage entfernt werden.

Baubeginn der Anlage im Maßstab 1:87. Damals war das noch Wechselstrom

MSL: Warum haben Sie sich für den Maßstab entschieden?

Kunde: Die Frage nach dem Maßstab stellte sich nie wirklich. H0 war als DER Modellbahnmaßstab bekannt, größere Maßstäbe zu teuer und kleinere Maßstäbe zu fummelig. Außerdem besaß ein Bekannter zu diesem Zeitpunkt ebenfalls eine H0-Bahn von Märklin, sodass die Beratung recht einseitig ausfiel.

MSL: Haben Sie eine Lieblingsbaureihe?

Kunde: Bei der Lieblingsbaureihe schwanke ich zwischen zwei Lokomotiven, zum einen der Br 218 und zum anderen der Bügelfalten 110. Letztendlich ist es wohl die Br 218. Sie ist einfach ein Klassiker der Deutschen Eisenbahngeschichte und hat einen guten Sound zu bieten. Nicht zuletzt fuhr diese Lok bis zum Jahr 2013 bei mir vor der Haustür vorbei.

Die Baureihe 218 ist die Lieblingslok unseres Kunden. Die Lokomotive ist zweifellos ein echter Klassiker in der deutschen Eisenbahngeschichte!

MSL: Entstammt der Gleisplan einem Vorbild oder anderen Anlage oder ist er eine Eigenentwicklung?

Kunde: Der Gleisplan ist eine Eigenentwicklung, die von unterschiedlichen Quellen beeinflusst wurde. Da die Anlage mit C-Gleisen geplant und gebaut worden ist, war die Anlage „Altenburg“ von Guido Meißner eine große Inspiration. Die flexible Auslegung des starren C-Gleis Systems hatte ich bis dato noch nicht gesehen und der Einsatz von schlanken Weichen in einer Bahnhofseinfahrt bei gleichzeitiger Überbauung der anderen Bahnhofseinfahrt zum tarnen der engen Radien, erschien mir damals als ein cleverer Schachzug. Natürlich waren auch andere Anlagen in Foren und sogar der Schweizer Abschnitt Tessin im Miniaturwunderland in Hamburg eine Inspiration.

  • Der ursprüngliche Gleisplan unter Verwendung des Märklin C-Gleis.

MSL: Welches Thema wird auf der Anlage dargestellt und wieso ist es genau dieses Thema?

Kunde: Ein genaues Thema gibt es nicht. Bei dem Fuhrpark richte ich mich nach Zügen die in der Rhein/Main Region unterwegs sind. Besonders angetan haben es mir vor allem Nachtzüge, also Citynightline/City Night Line Züge, Euronight Züge und der seit einiger Zeit von der ÖBB eingesetzte Nightjet. Andere Turnuszüge werden sich vielleicht auch in Zukunft auf der Anlage finden. Reisezüge dieser Art sind eine durchaus spannende Nische, da die Züge meist über eine hohe Wagenvielfalt und unterschiedlichste Lackierungsvarianten verfügen. Natürlich versprüht das Reisen im Nachtzug einen ganz besonderen Charme, der leider durch den Niedergang der City Night Line Züge im deutschen Schienennetz ein wenig Präsenz verloren hat.

  • Nachtzüge haben es unserem Kunden besonders angetan. Die besondere Lichtstimmung kommt in dieser Szene hervorragend rüber.

MSL: Welche Epoche wird dargestellt? Fahren nur Züge einer besonderen Epoche?

Kunde: Auf der Anlage sind ausschließlich Züge der DB Epoche V(1994-2007) und Epoche VI (2008 – jetzt) zu finden. Der Betrieb dieser beiden Epochen folgt möglichst getrennt, es sollen also keine Züge aus der Epoche 5 neben Zügen der Epoche 6 zu sehen sein (wobei es hier aus finanziellen Gründen Ausnahmen gibt). Innerhalb dieser Epochengrenzen gibt es keine Beschränkungen. Museumszüge oder Oldtimer gibt es keine.

  • Auf der Anlage kommen nur Modelle aus der Epoche V und VI zum Einsatz.

MSL: Welche Digitalzentrale wird verwendet?

Kunde: Gesteuert wird die Anlage mit der Esu Ecos 50210. Im Automatikbetrieb kommt zusätzlich ein Laptop mit Traincontroller Gold zum Einsatz. Die Anlage läuft mit Hilfe der PC-Steuerung meist automatisch, manuell wird nur selten gesteuert.

MSL: Was fehlt noch auf der Anlage bzw. soll verbessert werden?

Kunde: Neben den zahlreichen nicht bebauten kahlen Flächen im Bereich des Bahnhofs und der Stadt müssen noch Gleise geschottert und Oberleitungsmasten aufgestellt werden. Im Zuge meines Umstiegs von 3-Leiter Gleisen auf 2-Leiter Gleise gilt es darüber hinaus noch einige Umbauschäden zu beseitigen.

Verbessert wird eigentlich ständig etwas, vor allem im Bereich der Ausgestaltung und des Landschaftsbaus. Da diese Anlage für mich die erste war, auf der richtiger Landschaftsbau betrieben wurde, gilt es immer wieder neu erlernte Techniken vor allem im Bereich des Begrünens auf ältere Anlagenteile anzuwenden. Besonders spannend wäre hier noch der Bau eines Waldes am Rande der Steilwand, jedoch kostet der Baumbau relativ viel Zeit und ist durch den Anlagenumbau ein wenig in Vergessenheit geraten.

  • Der Bau der Oberleitung und das Einschottern von Gleisen sind weitere Verbesserungsarbeiten, die noch ausgeführt werden sollen.

MSL: Gibt es eine Lieblingsstelle auf der Anlage?

Kunde: Definitiv der kleine Ortsverband des THW. Die kleine Fläche bot sich perfekt für die Unterkunft einer solchen Organisation an. Die dargestellte Szene zeigt die kleinen Helfer bei dem Üben von Stichen und Bünden. Die kleinen Knoten mit einem kleinen Faden nachzubilden war eine spannende Herausforderung. Wie fast jeder Bauabschnitt auf der Anlage gibt es auch beim THW noch einiges an Details hinzuzufügen.

  • Das Übungsgelände des THW ist die Lieblingsstelle des Erbauers.

MSL: Wie lang hat der Bau der Anlage bis jetzt gedauert?

Kunde: Planungsbeginn der Anlage war 2009, seitdem wird mit mehr oder weniger großen Unterbrechungen an der Anlage gebaut und umgebaut.

MSL: Wann schätzen Sie die Fertigstellung?

Kunde: Vermutlich nie. Die Anlage steht im Keller meines Elternhauses, sodass nur selten daran gebaut werden kann. Ich habe derzeit die Hoffnung, dass ich vor Vollendung dieser Anlage ein neues Projekt starten werde, welches meinen gewachsenen Ansprüchen und Vorstellungen an den Anlagenbau eher gerecht werden kann. Bisher ist da allerdings noch nichts in Aussicht. Ich bezeichne die Anlage gerne als „Lernanlage“.

  • Richtig fertig ist eine Anlage nie. Dafür wird das Auge mit solchen Szenen belohnt, die bis ins kleinste Detail ausgestaltet sind.

MSL: Welche Tipps/ welchen Rat haben Sie für Modellbahner mit einem ähnlichen Projekt?

Kunde: Weniger ist manchmal mehr. Es müssen nicht immer fünfzehn sichtbare Ebenen aus dem Gleisplan herausgeholt werden nur um ein bisschen sichtbare Strecke zu gewinnen. Auch ist nicht immer ein riesiger Bahnhof mit BW und Nebenbahn von Nöten. Größe zählt nur bei einem Element der Anlage: dem Schattenbahnhof, der ist mir in meinem Projekt mit seinen 13 Gleisen bereits deutlich zu klein. Für den Anlagen- und Landschaftsbau kann ich nur empfehlen es einfach mal zu machen. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und Lehrgeld muss man immer zahlen. Außerdem kann ein Teilabriss manchmal sehr befriedigend sein 😉.

Eine abzweigende Nebenstrecke ist kein Muss. Die eingleisige und nicht elektrifizierte Strecke versprüht jedoch direkt Nebenbahnromantik.
Der Schattenbahnhof ist ein unverzichtbares Element auf jeder Anlage und dürfte nach Geschmack des Erbauers gern noch mehr Gleise haben.

MSL: Worauf muss man beim Gestalten/Ausschmücken auf so begrenztem Raum achten?

Kunde: Generell gibt es beim Modellbau unterschiedliche Typen von Anlagenbauern. Während einige einfach drauf los bauen, planen andere langwierig jeden Fleck der Anlage bereits im Voraus. Da ich zu denjenigen zähle, die auch lieber etwas mehr Zeit mit der Planung verbringen, richtet sich mein Rat eher an diese Gruppe von Anlagenbauern. An meiner Anlage kritisiere ich am meisten, dass man dem Landschaftsverlauf deutlich ansehen kann, dass die Landschaft nur für die Bahntrassen existiert. Die meisten Elemente einer Landschaft existieren als nur zum abdecken, abstützen oder verbinden von Trassen, Bahnhof und Wendeanlage. In zukünftigen Projekten würde ich mir zunächst deutlich mehr Gedanken über die Landschaft machen und die Bahn dort einbetten. Natürlich steht bei der Anlagenplanung immer als erstes die Bahntrasse im Fokus, jedoch sollte diese so eingerichtet werden, dass Landschaft und Verkehrsweg miteinander harmonieren. So würde ich auf weniger sichtbare Ebenen und einen kleinen Bahnhof (vielleicht sogar nur einen S-Bahn Haltepunkt) setzen. Je weniger die Anlage mit Features gesättigt werden muss, desto glaubwürdiger kann die Landschaft gestaltet werden. Letztendlich ist dies natürlich eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Die authentische Einbettung der Eisenbahn in die Anlage soll bei zukünftigen Anlagen noch besser gelingen.

MSL: Wird man die Anlage auf Ausstellungen/ Messen bewundern können?

Kunde: Nein, die Anlage ist nicht transportierbar und wird den Kellerraum vermutlich nur einmal, und dann in Müllsäcken verlassen 😉

MSL: Was hatten Sie am Anfang für ein Budget und wurde es inzwischen überschritten?

Kunde: Ein gesetztes Budget gab und gibt es nicht. Wenn finanzielle Mittel da sind wird etwas gekauft, ansonsten eben nicht.

Was war die größte Herausforderung beim Bau?

Kunde: Die größte Herausforderung lag wahrscheinlich beim Erhalt der Zugänglichkeit der Anlage. Mit ihren Maßen von LxB 480cm x 130cm + Anbau mit 170cm x 110cm nutzt die Anlage nicht nur die Maße der längsten Seitenwand des Raums komplett aus, sondern ist auch deutlich zu tief um mit den Armen an alle Stellen der Anlage zu gelangen. Aufgrund dieser Verbauung musste die Anlage zum einen auf Rollen gelagert und zum anderen mit mehreren Wartungsluken und Einstiegslöchern versehen werden.

Die großen Abmessungen machen Wartungsluken nötig und lassen keinen Transport der Anlage zu.

Eine weitere Herausforderung bestand im Umstieg von 3-Leiterauf 2-Leiter, oder von Wechselstrom auf Gleichstrom, wie man das auch gerne sagt. Der Abriss und Neubau der Anlage mit einem neuen Gleisplan kam aus mehreren Gründen nicht in Frage, jedoch stand bereits 2013 für mich fest, dass spätestens mit der nächsten Anlage der Umstieg erfolgen sollte. Mit diesem Wissen kaufte ich die meisten meiner Modelle bereits in der 2-Leiter Ausführungund baute diese Anschließend auf 3-Leiter um. Wagenmaterial stellte ebenfalls kein Problem dar, da ich nur mit maßstäblichen Wagen fahre und die nichtleitenden Achsen zwar ausgetauscht, aber behalten habe. Als ich mich schließlich doch dazu entschied, den Umstieg mit der jetzigen Anlage anzugehen bestand das Problem darin, den vorhandenen Gleisplan -mit C-Gleisen geplant- auf das Gleissortiment der anderen Hersteller anzupassen. Letztendlich wurde der Aufwand allerdings mit kontaktsicherem und leiserem Laufverhalten, sowie besserer Optik und engeren Gleisabständen belohnt.

Der nachträgliche Umbau von Wechsel- auf Gleichstromgleise war eine besondere Herausforderung.

Wir sind rundum begeistert von der Anlage und möchten uns für den Beitrag bei unserem Kunden bedanken! Wenn Ihnen der Bericht gefallen hat, dann schauen Sie doch mal im Stummiforum vorbei. Dort sind Sie immer auf dem Laufenden wenn die Anlage weiter gebaut wird.

Außerdem gibt es bei YouTube auch einige Eindrücke vom Fahrbetrieb auf der Anlage zu sehen:

Sie können Alex.Anlage bei YouTube und bei Instagram folgen.

Machen Sie mit!

Sie haben eine Modelleisenbahn, die Sie im Rahmen unserer Anlagenvorstellung präsentieren möchten? Dann bewerben Sie sich mit aussagekräftigen Bildern bei uns. Sie erreichen uns per E-Mail unter blog@modellbahnshop-lippe.com oder bei Instagram und Facebook! Für jede veröffentlichte Anlagenvorstellung bedanken wir uns mit einem Gutschein! 😉

Wie hat Ihnen die Anlage gefallen?

Wir sind gespannt auf Ihre Meinung und würden uns über Ihre Eindrücke in den Kommentaren freuen!

3 Kommentare

  1. Hallo,
    eine sehr schöne Anlage. Besonders die liebevolle Ausgestaltung der einzelnen Szenen finde ich sehr gelungen. Freue mich auf noch mehr Bilder, besonders wenn sie auch größere Abschnitte zeigen.

    Gruß Alfons

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